SHOW REVIEW

Bei Sting rockte es nicht wirklich...

Ist's eigentlich blöd für einen Musiker, wenn seine Fans bei Konzerten am liebsten nur die großen Hits hören wollen? Vermutlich. Profis können aber damit umgehen, und Superstar Sting hat sich am Freitagabend in der Arena kein bisschen davon stören lassen. Hat erst mal ziemlich viele Songs seines jüngsten Albums 'Sacred Love' gespielt - die noch keine Klassiker der Pop-Geschichte sind (und es wohl auch nicht werden) - bevor er den rund 11,000 Besuchern in der ausverkauften Halle das gab, was sie offenbar wirklich wollten: die grandiosen Songs aus seiner Jahrzehnte langen Karriere.

Vielleicht ist die Tatsache, dass sich über fast eine Stunde praktisch niemand zur Musik bewegte, dass selbst von denjenigen, die sich in die erste Reihe vorgekämpft hatten, nur eine Handvoll mitklatschte, aber auch irreführend: Vielleicht hat das Publikum ja nicht nur höflich, sondern interessiert-aufmerksam zugehört bei Stücken wie 'Send Your Love', 'Inside', 'Dead Man's Rope' oder eben 'Sacred Love'. Das hätte sich zumindest gelohnt, denn dass ein Ausnahme-Musiker von Stings Status nur mit anderen großartigen Musikern spielt, versteht sich von selbst.

Vielleicht liegt's auch daran, dass die Fans naturgemäß mit dem 'Englishman' Anfang 50 älter geworden sind - und sich die Begeisterung einfach nicht mehr so schnell körperlich äußert. Irgendwann dann aber schon: Bei der ganz besonders langen Version von 'Roxanne', bei 'Every Breath You Take' oder 'Every Little Thing She Does Is Magic' tanzten doch die meisten in Weißt-du-noch-damals?-Stimmung.

Vielleicht sind aber auch bis zum letzten Licht-Effekt durchchoreographierte Shows einem ausgelassenen Konzert-Treiben nicht besonders förderlich: Wenn Songs von Videos mit seltsam gestylten Frauen, die mit Hula-Hoop-Ringen spielen, oder mit heißen Stripperinnen begleitet werden, gibt's zwar auch für die was zu sehen, die weit weg von der Bühne sitzen - die Spontaneität aber, die Live-Musik ja eigentlich ausmachen sollte, bleibt auf der Strecke, schließlich ist alles haargenau abgestimmt. Und man fragt sich, ob der Mann im schicken schwarzen Anzug solche glattgebügelten Designer-Shows nötig hat - und ob die Zuschauer, wenn sie 50,60 Euro für die Tickets bezahlt haben, sowas eben sehen wollen.

Unzufrieden schienen die meisten jedenfalls nicht, als sie nach knapp zwei Stunden die Halle verließen. Ein Konzert, das rockt, ist aber was anderes.

(c) NRZ Online by Monika Idems

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