SHOW REVIEW

Sting reist zurück in die Zeit der edlen Ritter...

Sting auf seiner Tour ''Songs from the labyrinth'' in Basel.

Es klingt wie in einer Märchenstunde, wenn zu eingespieltem Atmo-Sound und gedämpftem bunten Licht der Barde Sting vom großen John Dowland erzählt, einem Musikerkollegen aus grauer Vorzeit, als die Ritter sich auch noch mit Schwertern prügelten und die Minne die Herzen regierte. John war der bedeutendste Lautenspieler und Tonsetzer im Elisabethanischen England. Wie er einst die europäischen Höfe bereiste, so tourt Sting jetzt mit Johns Musik in einer Mischung aus Pop-Event und Kammerkonzert durch die Lande. Er hielt Hof in der natürlich ausverkauften Düsseldorfer Tonhalle.

Zum Auftakt erschien zunächst ein Bote mit einer Laute. Edin Karamzov, ein gewinnend lächelnder Musikus mit Prinz Eisenherz-Haarschnitt, zupfte beherzt auf seinem Instrument eine Fantasie, wie sie ihm die Finger führte. Also dann stürzte er sich - warum auch immer - mit Bravour in Bachs d-Moll Toccata, die weder zur Zeit noch zwingend zum Instrument passte, die allerdings den meisten Hörern bekannt sein dürfte. Ja, es ist jenes Kirchenmusikstück, das unsere osteuropäischen Musikgäste täglich hundertfach in Fußgängerpassagen virtuos in ihr Akkordeon drücken. Edin dämpfte manchmal die Saiten, indem er sein Haar darüber legte: Er glich nämlich sein überraschend unsauberes Spiel mit intensiv gespielter Herzlichkeit aus und kuschelte gern mit seiner Laute.

Sting erschien, und das Publikum raste. Er sang ein erstes Dowland-Lied zur Lautenbegleitung, mit seiner leichten und hauchigen Stimme, ganz ohne Druck, technisch komprimiert und geschönt. Das klang sehr ehrlich und angenehm, Sting mag die Musik von Dowland. Sting griff auch selbst zur Laute, spielte einige leichte Phrasen. Dann erschien ein Chor, ''Stile antique'' aus London, ein gemischtes Oktett mit betörend klaren jungen Stimmen, die sangen einen wunderschönen Satz unter die Melodien. Das Licht entwickelte sich mit - bis Sting abrupt in die tiefe ''Police''-Kiste griff, und ein glückseliger Publikumsschrei die Titel begrüßte: 'Message in a Bottle' zur sanft schwingenden Saite war dann plötzlich ziemlich nah bei John Dowlands Songs.

Alle waren glücklich, und vielleicht war das ja die Botschaft von Sting: Die Barden reisen auch heute noch durchs Land, man muss ihnen nur die elektrischen Instrumente wegnehmen!

(c) Kölnische Rundschau by Olaf Weiden

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