SHOW REVIEW

Die Renaissance wiederbelebt...

Gerade mal ein paar Lichter, zwei Lauten und ein kleiner Chor genügten Sting, um das viktorianische England in die Köpfe der Nürnberger zu transportieren. Er machte die Jahrhunderte alte Musik des Barden John Dowland fast spürbar.

Viel gab es nicht zu sehen. Ein paar Lichter beleuchteten die imposante Einbau-Orgel in der Meistersingerhalle, dann fokusierten sie einen kleinen Mann im roten Jackett, der zur Bühnenmitte spazierte. Edin Karamazov, der weltberühmte Lautist, setzte sich auf einen Stuhl, um ihn herum standen zwei Barhocker, Notenständer und eben Lauten - die Gitarren der Barden. Das war alles. Kein viktorianischer Pomp, keine Robin-Hood Verkleidung, keine verschnörkelte Bühnendeko oder tanzende Frauen in weißen Riesenkleidern.

Ja noch nicht einmal Sting war zu sehen. Nur der kleine Mann im roten Jackett eben, der nun fast zwanzig Minuten solierte, auf der Laute brillierte und versuchte seine halblangen schwarzen Haare nicht ins Griffbrett fliegen zu lassen. Die Bühne hatte den Look eines kargen Lebens. Genauso eines, wie es John Dowland führte, dessen Bardenmusik von vor ca. 400 Jahren nun fast eineinhalb Stunden gespielt werden sollte.

Zwei lange Songs später applaudierten die Nürnberger dann das erste Mal richtig laut. Sting watschelte im schwarzen Anzug zu Edin Karamazov, nahm auf einem der Hocker Platz und las vor. Teil des Abends waren neben John Dowlands Musik auch seine Worte, vor allem Briefe, die er aus Nürnberg an die Virgin-Queen Elisabeth I. schrieb.

Dann begann Sting zu singen: Glockenklar, eindringlich, gefühlvoll. Edin Karamazov stimmte mit ein. Die Augen geschlossen, nur den Gesang und die Laute hörend, war dann die Renaissance plötzlich da, in der Vorstellung. Tanzende Könige, Springende Saufbrüder im Wirtshaus, ja sogar Robin Hood. Fast eine Stunde hielt der Zauber, verursacht durch nichts außer Worten und Tönen. Ein kleiner Chor stimmte immer mal wieder mit ein, trug den Gesang Stings noch ein paar Stufen nach oben, Richtung engelsgleich.

Am Schluss der Vorstellung hatte der blonde ''Englishman'' noch ein paar Extras auf Lager. Mit der Laute intonierte er erst seinen eigenen Hit 'Fields of Gold', dann einen Blues von Robert Johnson und als Höhepunkt den Police Klassiker 'Message in a Bottle'.

Das war für Nürnberg dann auch der letzte Kick. Nach eineinhalb Stunden war es leider schon vorbei, langen Applaus gab es verdientermaßen. Sting wurde dann, als die Klatscher einfach nicht verhallen wollten, noch ein letztes Mal auf die Bühne gefordert. A Cappella sang er noch ein Stück von John Dowland und verabschiedete sich artig mit einem ''Auf Wiedersehen'' in gebrochenem Deutsch.

(c) Lottaleben.net by Frank Schmauser

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